Verantwortung klar zuordnen
Geprüft und aktualisiert im Oktober 2026.
Jedes Projekt ist wie ein Segelboot. Es braucht einen Skipper, einen Bootsmann und eine Crew, und jeder weiß, was er tun muss, damit das Boot ankommt. Genauso braucht jede wichtige Komponente in Ihrer Organisation jemanden, der sie verantwortet und dafür sorgt, dass sie ordentlich betrieben und überwacht wird.
In kleinen Umgebungen mit einem CTO oder IT-Leiter und vielleicht einem kleinen Supportteam ist das noch überschaubar. Trotzdem sollte von oben bis unten festgelegt sein, wer wofür zuständig ist.
In großen Umgebungen wird es komplizierter: mehrere Abteilungen an verschiedenen Standorten, in verschiedenen Regionen, Ländern und Zeitzonen. Zuständigkeiten werden oft geteilt. Wenn Verantwortung nicht von Anfang an festgelegt, zugewiesen und bestätigt ist, kommt das erste Sandkorn ins Getriebe, und die vermeintlich gut geölte Maschine stockt.
Die folgenden Beispiele beruhen auf echten Vorfällen, Namen und Orte sind geändert.
Beispiel 1: der Server, den niemand auf dem Schirm hatte
Die IT von ACME in Frankreich wollte eine neue MDM-Lösung mit einer kleinen Pilotgruppe testen, brauchte dafür aber die Freigabe der Konzern-IT in London. Weil sie nicht ewig warten wollte, hat sie die Lösung auf eigene Faust aufgesetzt. Halb so wild, oder? Ein neuer Server, wenige Nutzer, begrenzte Zeit. Was soll da schon passieren?
Wie üblich wollten im französischen Büro immer mehr Leute an den neuen Server angebunden werden, um die neuen Funktionen sofort zu nutzen. Nur: Aus Sicht der Infrastruktur war das ein Schattenserver ohne Monitoring und ohne Dokumentation, und nur eine Handvoll Leute durfte sich überhaupt damit verbinden. Trotzdem bediente er produktive Nutzer, darunter VIPs. Jede Störung wäre also kritisch und weithin sichtbar gewesen und hätte geschäftlichen Schaden anrichten können.
Der schnell aufgesetzte Server für ein paar Wochen Test war geschäftskritisch geworden, ohne dass die nötigen Werkzeuge und Abläufe dafür bereitstanden.
Das Beispiel zeigt, warum große Organisationen Verantwortung delegieren müssen. Ist die Steuerung zu zentral, umgehen die Leute die Prozesse. Und wenn dann ein Problem auftritt und niemand richtig handelt, fällt es auf, kostet Geschäft und endet in internen Eskalationen.
Beispiel 2: der Alarm, der einen schlafenden Ingenieur erreichte
Das zweite Beispiel stammt von einem der größten Cloud-Anbieter: Standorte rund um den Globus, ein modernes Monitoring, erfahrenes IT-Personal, Follow-the-Sun-Support rund um die Uhr, Abläufe für jede verwaltete Komponente und Fernzugriff. Für jede Lage war also vorgesorgt.
An einem Wochenendabend fiel ein Fehler auf einem geschäftskritischen Messaging-Server auf. Wie vorgesehen ging ein Alarm per E-Mail, SMS oder Push-Nachricht an den hinterlegten Kontakt. Normalerweise bewertet diese Person oder dieses Team Dringlichkeit und mögliche Auswirkungen und folgt dann dem Ablauf: auf die Komponente verbinden, Fehler suchen, beheben und über die vorgesehenen Kanäle informieren. Lässt sich das Problem nicht innerhalb der im SLA festgelegten Zeit lösen, geht es an die nächste Stelle, etwa den diensthabenden Ingenieur, oder an das nächste Team (Level 2, Level 3, Serververantwortlicher). Hier rief der Erste den diensthabenden Ingenieur an. Den Namen hatte er aus einem internen Werkzeug, das alle Komponenten und ihre Verantwortlichen auflistet.
Das Problem: Diese Person saß in einer anderen Zeitzone und schlief. Bis sie wieder erreichbar war, konnte niemand den Fehler beheben.
Wie konnte das passieren? In einer großen Umgebung mit Dutzenden Standorten, Regionen und Abteilungen, in der fast täglich neue Komponenten zu Hunderten oder Tausenden bestehenden hinzukommen, sind die Angaben zu einer einzelnen Komponente schnell falsch oder veraltet. Hier war für den Server eine Zeit lang niemand verantwortlich, also konnte auch niemand rechtzeitig handeln. Monitoring hilft nur, wenn seine Alarme jemanden erreichen, der zuständig und erreichbar ist. Mehr dazu in Warum Monitoring unverzichtbar ist.
Das Beispiel zeigt, warum Verantwortung wichtig ist, gerade auf lokaler und regionaler Ebene. Dann lassen sich Probleme lösen, ohne dass sie erst die Hierarchie hinaufwandern.
Wem gehören Mobility und Sicherheit?
Enterprise Mobility und Sicherheit sind eine heiße Kartoffel: Niemand will sie so richtig haben. Trotzdem muss jeder seinen Teil verantworten. Manche Organisationen siedeln die Verantwortung in der IT an, andere bei Risiko und Compliance oder in der Security. Ist sie geteilt, müssen die Rollen geklärt sein.
Inzwischen lässt sich die Frage auch rechtlich kaum noch umgehen. Nach Artikel 20 der NIS2-Richtlinie (EU) 2022/2555 müssen die Leitungsorgane wesentlicher und wichtiger Einrichtungen die Maßnahmen zum Cybersicherheits-Risikomanagement billigen, ihre Umsetzung überwachen und für Verstöße einstehen. Verantwortung für Sicherheit beginnt an der Spitze.
Klare Fahrt
Jede Organisation braucht klare Verantwortung, damit jedes Problem die richtige Reaktion bekommt. Wie bei einem großen Schiff braucht auch eine große Organisation Struktur, und jeder kennt seinen Zuständigkeits- und Handlungsbereich. Das erleichtert den Nutzern das Leben und dem Team ebenso, weil die Rollen klar sind. Wie diese Rollen im Alltag tragen, beschreibt Verantwortlichkeit im digitalen Arbeitsplatz.
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