NIST hat am 26. September 2025 die Revision 2 seiner Richtlinie SP 800-88 zur Datenlöschung auf Speichermedien veröffentlicht. Sie ersetzt Rev. 1 von 2014 und schreibt für die Datenlöschung am Smartphone keine Technik je Gerätetyp mehr vor. Stattdessen beschreibt sie ein Löschprogramm der Organisation: festgelegte Methode, geprüftes Ergebnis, ein Löschzertifikat je Gerät (NIST SP 800-88r2).
Wer eine Flotte Diensthandys tauscht, braucht deshalb zuerst eine eigene Regel und dann einen Nachweis, der zu ihr passt. Die Checkliste unten führt durch beides.
Rev. 1 hat Löschtechniken je Medientyp in Tabellen aufgeführt, auch für Mobilgeräte. Rev. 2 hat diese Anhänge gestrichen und verweist für konkrete Techniken auf IEEE 2883, auf Vorgaben der NSA oder auf einen Standard, den die Organisation selbst freigibt. Nur Cryptographic Erase behandelt die Richtlinie weiter selbst (Anhang D; NIST-FAQ vom 16. Juli 2026).
Zwei weitere Änderungen spüren Sie im Betrieb:
Clear schützt gegen Auslesen über die normale Schnittstelle, durch Überschreiben oder, wo das nicht geht, durch das Zurücksetzen auf Werkseinstellungen (3.1.1). Purge macht die Daten auch für Laborverfahren nach aktuellem Stand unzugänglich und lässt das Gerät nutzbar. Wo Purge möglich ist, empfiehlt NIST es statt Clear (3.1.2). Destroy macht das Medium unbrauchbar; Schreddern und Pulverisieren taugen laut Rev. 2 nur für die niedrigste Schutzstufe (3.1.3).
Für Clear reicht es. Rev. 2 erkennt das Zurücksetzen durch den Hersteller als Clear an, wenn das Gerät kein Überschreiben unterstützt und seine Schnittstelle die alten Daten nicht mehr herausgibt. Ob es auch als Purge zählt, entscheidet die Verschlüsselung.
Beim iPhone ist das Zurücksetzen eine Schlüssellöschung. Apple schreibt, das Löschen vernichte alle Schlüssel im Effaceable Storage und mache alle Nutzerdaten kryptografisch unzugänglich (Apple Platform Deployment). Android-Geräte, die ab Android 10 auf den Markt kommen, müssen dateibasiert verschlüsseln. Sicher gelöscht werden die Schlüssel laut Android-Dokumentation aber nur, wenn die Hardware Rollback-Resistenz unterstützt; sonst bleibt ein Best-Effort-Verfahren. Bei gemischten Android-Flotten lohnt deshalb die Frage an den Hersteller, die NIST in Anhang B empfiehlt: Wie setzt das Gerät seine Löschbefehle um?
Der IT-Grundschutz des BSI setzt an derselben Stelle an. Baustein CON.6 (Edition 2023) verlangt, Smartphones auf Werkseinstellungen zurückzusetzen. Sie sollen nach dem Kryptokonzept verschlüsselt sein, und danach soll der Einrichtungsvorgang durchlaufen werden (CON.6.A12).
Cryptographic Erase löscht nicht die Daten, sondern die Schlüssel, mit denen sie verschlüsselt sind. Für die Schlüssellöschung setzt Rev. 2 auf die Nullung nach ISO/IEC 19790. Daran hängen Bedingungen:
Für Daten, die Jahrzehnte vertraulich bleiben müssen, reicht Cryptographic Erase laut Rev. 2 unter Umständen nicht: Künftige Schwächen der Algorithmen oder Quantencomputer könnten die Schlüssel doch zugänglich machen (3.2.2).
Die Kette beginnt bei der Rückgabe. Ein Gerät, das nach einem Austritt in einer Schublade liegt, taucht in keinem Löschzertifikat auf; dafür verlangt Rev. 2 die Erfassung an drei Stellen. Bei einem großflächigen Gerätetausch, etwa im Zuge einer UEM-Migration, fallen die Altgeräte auf einmal an. Wie sichergestellt wird, dass dabei kein Gerät verloren geht, war eine der Fragen unseres Webcasts zur MDM- und UEM-Migration vom 14. Oktober 2025. Der Beitrag UEM-Migration ohne Stillstand beschreibt, wie ISEC7 SPHERE solche Gerätewechsel begleitet.
Im ISEC7 Endpoint Lifecycle Management kümmern wir uns um die Rückgabe der Hardware, wenn Mitarbeitende das Unternehmen verlassen. Die anschließende Endgerätelöschung und Verwertung läuft in vier Schritten: Erfassung und Analyse, Datenlöschung mit Protokoll, Wiederverwendung oder Recycling, Rückkauf. Das Löschverfahren stimmen wir mit Ihnen ab, auf Wunsch einschließlich physischer Vernichtung der Datenträger.
Registrierung und Bereitstellung von Apple- und Android-Geräten im UEM behandeln unsere eintägigen Kurse Apple Enterprise Mobility Fundamentals und Android Enterprise Fundamentals. Die Aufzeichnungen zu iOS 27, Android 17 und der MDM-Migration stehen mit allen anderen Terminen in unserer Webcast-Übersicht.
Die Richtlinie „Guidelines for Media Sanitization“ des US-amerikanischen NIST, veröffentlicht am 26. September 2025. Sie ersetzt Rev. 1 von 2014 und beschreibt, wie eine Organisation ein Löschprogramm für Speichermedien aufbaut: Methode nach Schutzbedarf, Prüfung des Ergebnisses und ein Löschzertifikat je Gerät. Für konkrete Techniken verweist sie auf IEEE 2883, auf Vorgaben der NSA oder auf einen intern freigegebenen Standard.
Als Clear ja. Rev. 2 erkennt das Zurücksetzen durch den Hersteller an, wenn das Gerät kein Überschreiben unterstützt und die alten Daten über seine Schnittstelle nicht mehr erreichbar sind. Als Purge zählt es nur, wenn dabei die Schlüssel eines verschlüsselten Speichers gelöscht werden und die Bedingungen für Cryptographic Erase erfüllt sind, etwa dass keine Kopie der Schlüssel außerhalb des Geräts liegt.
Nach Abschnitt 4.6 mindestens Hersteller, Modell, Seriennummer, gegebenenfalls die Inventarnummer, Medientyp und Herkunft, die Methode (Clear, Purge oder Destroy), die Technik, das Werkzeug mit Version und die Verifikationsmethode. Dazu Name, Funktion und Kontaktdaten der Person, die prüft, sowie Datum, Ort und Unterschrift. Ein Muster steht in Anhang C der Richtlinie.
Nein. Rev. 2 stellt klar, dass die Methode Clear keine Mehrfachdurchgänge braucht, und wendet sich damit gegen das veraltete Muster aus DoD 5220.22-M. Bei Flash-Speicher mit Reservezellen und Wear Levelling, wie ihn Smartphones nutzen, erreicht Überschreiben über die normale Schnittstelle ohnehin nicht alle Bereiche, in denen Daten lagen.