Acronis Cyber Files konnte mehr als den mobilen Zugriff auf Dateiserver. Es bot auch die Synchronisation persönlicher Dateien und das Teilen mit Externen, und Acronis Files Connect bindet als eigenes Produkt Macs an Windows-Freigaben an. Für beide endet am 31. Dezember 2026 der erweiterte Support. Bis dahin liefert Acronis nach seiner Lebenszyklusrichtlinie für Mobility-Produkte noch Hotfixes für kritische Fehler und Sicherheitsprobleme. Danach bleibt drei Jahre lang Self-Service: Wissensdatenbank, FAQ und Werkzeuge zur Fehlersuche.
Vor der Frage nach dem Nachfolger steht eine Liste: welche dieser Funktionen bei Ihnen tatsächlich genutzt werden. Zwischen dem Erscheinen dieses Beitrags und dem Jahresende liegen rund zehn Wochen. Das ist kein langer Projektzeitraum, also hilft eine feste Reihenfolge: erst wissen, was genutzt wird, dann jeder Funktion einen Ersatz zuordnen, dann testen, dann abschalten.
Schritt 1: Funktionen erfassen
Acronis Files Connect stellt die Windows-Freigaben per AFP für Macs bereit und bringt dazu einen Druckserver und die Spotlight-Suche im Netz mit.
- Funktionsinventar. Halten Sie für jede dieser vier Funktionen fest, ob sie genutzt wird, von wem und auf welchen Servern: mobiler Dateizugriff, Synchronisation, externe Freigabe, Files Connect für Macs. Zum mobilen Zugriff gehört die Liste der Dateiserver und NAS-Systeme, die Nutzer heute über Acronis erreichen. Auf welchen verwalteten Geräten die Acronis-App noch installiert ist, zeigt ISEC7 SPHERE aus den angebundenen UEM-Systemen. Quellen: Acronis Files Connect User Guide, Hypergate-Migrationsleitfaden.
- Richtlinien. Notieren Sie, welche Sperren Acronis heute durchsetzt, etwa gegen Kopieren, Drucken oder das Öffnen in anderen Apps. Diese Vorgaben ziehen später ins UEM um, und dafür müssen sie vorher auf dem Papier stehen.
Schritt 2: Jeder Funktion einen Ersatzweg geben
- Zuordnung. Aus dem Inventar wird eine Liste mit einer Zuständigkeit je Zeile:
- Mobiler Zugriff auf Dateiserver und NAS: Hypergate Files, per SMB2 und SMB3 direkt gegen Windows-Freigaben und NetApp, angemeldet per Kerberos und mit den Berechtigungen, die auf dem Share schon gelten. Wie das im Alltag aussieht, beschreibt der erste Beitrag dieser Reihe.
- Anmeldung: Hypergate Authenticator, direkt gegen die vorhandenen Domain Controller.
- Sperren für Kopieren, Drucken und Weitergabe: Ihr UEM. Nach Angabe von Hypergate im ISEC7-Webcast vom 23. September 2026 hält sich Hypergate Files an diese Vorgaben, etwa an das Verbot, zwischen privatem und dienstlichem Bereich zu kopieren. Die Aufzeichnung ist kostenfrei nach Registrierung.
- Synchronisation und externe Freigabe: ein eigener Weg. Hypergate Files ist auf den Zugriff auf bestehende Freigaben gebaut. Klären Sie zuerst, ob und von wem diese beiden Funktionen noch gebraucht werden.
- Files Connect für Macs: ein eigener Weg, siehe Punkt 4.
- Macs. Hypergate Files ist für Android und iOS gebaut, die Macs brauchen deshalb eine eigene Lösung. Einen Teil liefert macOS selbst: Der Finder verbindet sich über „Gehe zu“ und „Mit Server verbinden“ mit SMB-Freigaben (Apple, Mac-Benutzerhandbuch). Den AFP-Client hat Apple mit macOS Sequoia 15.5 als veraltet eingestuft, er wird in einer künftigen Version entfernt (Apple Support). Für Macs, die heute über Files Connect per AFP angebunden sind, steht der Wechsel auf SMB also ohnehin an. Prüfen Sie an einem Test-Mac, ob der direkte SMB-Zugriff die Freigaben abdeckt. Druckwarteschlangen und die Spotlight-Suche im Netz planen Sie gesondert, denn beides hat Files Connect mitgebracht. Wie Sie Macs über das UEM verwalten, behandelt unser eintägiger Kurs Apple Enterprise Mobility Fundamentals.
Schritt 3: Pilot über das UEM
- Netz. Die Pilotgeräte brauchen über das VPN eine Verbindung zu den Domain Controllern auf Port 88 (Kerberos, TCP und UDP) und zu den Dateiservern auf Port 445 (SMB, TCP). Die Belegung steht in Microsofts Übersicht der Netzwerkports für Windows. Hypergate nennt als Voraussetzung ein VPN oder einen Tunnel, über den das Gerät das KDC erreicht (Hypergate FAQ). Ein neuer Server kommt nicht dazu.
- Proof of Concept. Hypergate Authenticator und Hypergate Files gehen als verwaltete Apps über das vorhandene UEM an eine Testgruppe. Auch die App-Konfiguration kommt von dort. Hypergate nennt unter anderem Microsoft Intune, Ivanti, Omnissa Workspace ONE, BlackBerry UEM, SOTI und 42Gears. Im selben Webcast hat Hypergate einen kostenlosen PoC über rund 30 Tage angeboten, verlängerbar. Geprüft wird, ob die Testgruppe ihre Freigaben in der Dateien-App sieht, Dokumente öffnet und zurückspeichert. Diesen Ablauf hat Hypergate dort auf einem iOS-Gerät vorgeführt. Auf dem Domain Controller erscheint die Anmeldung eines umgestellten Geräts als Ereignis 4768 statt 4776 (Hypergate, 25. Juni 2026). Wie Sie die übrigen NTLM-Anmeldungen im eigenen Netz finden, beschreibt der zweite Beitrag dieser Reihe vom 7. Oktober.
Schritt 4: Umstellen und zurückbauen
- Rückbau in der richtigen Reihenfolge. Erst ziehen die Sperren aus Acronis ins UEM um, dann folgen die übrigen Nutzer. Die Acronis-Server mit Gateway, Webserver und Datenbank gehen außer Betrieb, wenn der letzte mobile Nutzer umgezogen ist. Der Files-Connect-Server folgt, wenn die Macs per SMB arbeiten. Auf den Geräten bleibt nichts zurückzuholen, weil Hypergate Files keine Unternehmensdateien lokal speichert (Hypergate-Migrationsleitfaden).
Rückwärts gerechnet braucht ein Rückbau vor dem 31. Dezember einen vorher abgeschlossenen Pilot. Bei einem PoC von rund 30 Tagen sollte die Testgruppe deshalb Anfang November arbeiten, damit für Rollout, Umzug der Richtlinien und Abschaltung noch Zeit bleibt. Die Daten kommen von Acronis und Hypergate, die Rechnung ist unsere.
Hypergate und ISEC7
Die Apps kommen von Hypergate, einer Lösung der Papers AG mit Sitz in Zug. ISEC7 ist Hypergate-Partner für Deutschland, Großbritannien und die USA und übernimmt die Integration ins UEM und den Rollout. Das Funktionsinventar aus Schritt 1 ist eine gute Grundlage für das erste Gespräch: Auf unserer Seite Acronis Cyber Files und NTLM können Sie damit eine kostenfreie Ersteinschätzung für Ihre Umgebung anfragen.
Quellen
- Acronis, „Acronis Cyber Files and Acronis Files Connect End of Life“, Artikel 000029128, Stand 27.11.2025: https://care.acronis.com/s/article/Acronis-Cyber-Files-and-Acronis-Files-Connect-End-of-Life
- Acronis, „Support Lifecycle Policy for Mobility Products“: https://www.acronis.com/en/support/lifecycle/mobility/
- Acronis, „Acronis Files Connect 11.1 User Guide“, Revision 17.11.2022: https://dl.acronis.com/u/pdf/AcronisFilesConnect_userguide_en-US_11.1.pdf
- Apple, Mac-Benutzerhandbuch, „Verbinden des Mac mit geteilten Computern und Servern“: https://support.apple.com/de-de/guide/mac-help/mchlp1140/mac
- Apple Support, „Neue Funktionen in macOS Sequoia für Unternehmen“, Abschnitt macOS Sequoia 15.5: https://support.apple.com/de-de/121011
- Microsoft Learn, „Dienstübersicht und Netzwerkportanforderungen“: https://learn.microsoft.com/de-de/troubleshoot/windows-server/networking/service-overview-and-network-port-requirements
- Hypergate, „Acronis Cyber Files Is End-of-Life: A Migration Guide for Mobile Access to On-Prem File Servers“, 26.06.2026: https://hypergate.com/blog/acronis-cyber-files-is-end-of-life-a-migration-guide-for-mobile-access-to-on-prem-file-servers/
- Hypergate, „Disable NTLM: What Microsoft’s Plan Means for Mobile Devices“, 25.06.2026: https://hypergate.com/blog/disable-ntlm-mobile-devices/
- Hypergate, Produktseite Files und FAQ, abgerufen am 28.09.2026: https://hypergate.com/files/ und https://hypergate.com/faq/
- Webcast „The Sovereign Mobile Workplace“, ISEC7 und Hypergate, 23.09.2026
ISEC7-Ressourcen